Der Werdegang des Fördervereins Diensdorf - Radlow
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Zum Werdegangs des Vereins - ein Auszug aus dem Diensdorf-Radlow-Buch "Lebenszeichen aus der Provinz"
Das jüngste Mitglied im „Verein der Vereine“ unseres Dorfes ist zweifellos der Förderverein. Gegründet im Juli 2003 begann er gleich mit einem guten Start. 25 Dorfbewohner gaben dem Verein bereits bei der Gründung ihr „Ja –Wort“, wurden Mitglied, und das war natürlich ein hervorragendes Anfangskapital. Bis zu diesem Zeitpunkt war es in Diensdorf – Radlow zwar möglich „vereint“ zu segeln, Brände jeder Art zu löschen und auch gemeinsam zu jagen, kulturell aber war jedoch weniger los. Auch der äußere Eindruck des Ortes erinnerte eher an den Abzug der Roten Armee als an die blühenden Landschaften, die ein gewisser Herr Dr. Kohl versprach. (Do you remember…?).
Das nicht loszuwerdende Gefühl, dass man hier hinter dem See und den sieben Bergen wohl noch lange so weiter rumdümpeln würde, rief ein Gruppe von Idealisten auf den Plan, um das von Grund auf zu ändern.
Sie müssen wohl überzeugend gewirkt haben. Jedenfalls fand sich eine Schar interessierter Mitbürger - Ende 2006 immerhin 43 – zusammen. Sie alle einte das Bedürfnis nach niveauvoller Unterhaltung statt Zimmerkino mit Dauerwerbung, diskret unterbrochen durch Filmpassagen, die dann auch noch als Tribut an den vermuteten IQ des Konsumenten die letzten Minuten der vorhergehenden Szene wiederholen. Also wenn man so will, eine kleine Kulturrevolution - hinterm See und den sieben Bergen.
Ein vierköpfiger Vorstand wurde gebildet, und damit konnte die ehrenamtliche Arbeit beginnen. Es wurde beschlossen, alle Einnahmen aus Mitgliederbeiträgen zur Kulturarbeit und für Projekte zur Verschönerung des Dorfes zu verwenden. So steht’s in der Satzung des - natürlich bürokratisch korrekt - ins Leben gerufenen Vereins. Zwischen den beiden Bereichen zu teilen, das klappt bis auf den heutigen Tag bestens. Überhaupt ist die Zusammenarbeit zwischen „Regierung“, Förderverein und Dorfbewohnern ausgesprochen gut. Besonders die ältere Generation zeigt hier großes Engagement, die jüngeren, so scheint es, schauen sich das wohl erst einmal kritisch an, was die UHU’s so treiben. Aber es gibt ihn natürlich auch hier, den Kritiker, der in der Andersartigkeit - z.B. Buchlesung oder Chorabend - Gefahr wittert. Selbst verharrend in absoluter Starre der angeblichen Tradition „das ist eben hier nun mal so“ wird das rege und muntere Treiben missmutig betrachtet, um danach beim Bierchen zu beklagen „ … hier ist ja sowieso nischt los!“
Aber die frohe Botschaft ist: Es werden derer weniger. Das kann wohl auch an dem vielfältigen Programm liegen, welches das Jahr über geboten wird. Devise war es immer, für alle etwas anzubieten.
Ausstellungen, Lesungen, Musikveranstaltungen der unterschiedlichsten Richtungen, Vorträge mit und ohne Lichtbilder, LAN – Partys für computerbegeisterten Nachwuchs, ( für den älteren Leser : Jugendliche vernetzen ihre Computer mit einem wahren Kabelsalat, um dann gemeinsam zu spielen; das klappte früher auch ohne diesen Aufwand ganz gut und war auf jeden Fall billiger), Kleinkunst bis Kabarett, Weinlesungen und kunsthandwerkliche Verkaufsausstellungen, Hobby- und Trödelmärkte werden inzwischen vom Förderverein in und um die Alte Schulscheune herum angeboten – und angenommen. Wenn man sich denn traut, kann man sich seit dem Sommer 2004 sogar in der Alten Schulscheune trauen lassen.
Schon die ersten Veranstaltungen im Herbst 2003 – eine Verkaufsausstellung mit ausgesuchtem Kunsthandwerk und eine Lesung mit der ehemaligen DDR – Ikone Renate Holland-Moritz prägten das Motto des Vereins: “ Klein aber fein.“ So ist es geblieben, ca. 24 Veranstaltungen finden jährlich statt, und es kommt nicht selten vor, dass die 82qm kleine Scheune aus den Nähten zu platzen droht, wenn sich bis zu 80 Besucher in den Stuhlreihen drängeln, z.B. um Martin Buchholz mit seinem Programm zu erleben oder sich an irischer Folklore, dargeboten von dem Duo Cordula Schönherr und Jörg Kokott, zu begeistern. Wie es das Leben so will bekam Martin Buchholz kurze Zeit nach seinem Auftritt in der Alten Schulscheune den Schweizer Kabarettpreis 2006 – ob da ein Schweizer im Publikum war…? Aber auch der Verein konnte sich freuen, belegte er doch 2005 einen hervorragenden 6. Platz im landesweiten Wettbewerb der ehrenamtlichen Vereine.
Ein besonderes Ereignis ist auch der jährliche Hobby- und Trödelmarkt, wo Einheimische und Gäste zeigen, was man so alles sammeln oder an den Mann/ die Frau bringen kann, von der Stecknadel bis zum Düsenjäger – oder wenigstens Oldtimer.
Nicht unerwähnt soll bleiben, dass sich der Förderverein nur aus „Ehrenamtlichen“ rekrutiert und – nach anfänglicher Starthilfe durch das Kulturamt – inzwischen auch selber trägt. Natürlich weisen wir niemals Spenden zurück, und dank dieser wurden schon viele Dinge möglich.
Als „ Kulturzentrum“ bot sich die Alte Schulscheune, seit 2001 wunderschön restauriert, hervorragend an. Es war das Verdienst von Klaus John, der in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre als Bürgermeister des Dorfes mit viel Ausdauer, Geschick und schöpferischer Kreativität die damals noch bestehende Chance, Fördergelder an Land zu ziehen, nutzte. Auch er träumte von einem kulturellen Dorfmittelpunkt mit übergreifender Außenwirkung, durfte die Realisierung aber leider nicht mehr erleben. So hat der Förderverein gewissermaßen sein geistiges Erbe angetreten und seine Träume Wirklichkeit werden lassen.
Im August 2006 wurde der Hof mit einer Bühne versehen und durch den Verein neu gestaltet. Mit einem zünftigen Dixielandkonzert wurde sie eröffnet. Und spätestens da haben wohl auch die letzten Einwohner den Verein entdeckt. Der Hof platzte aus allen Nähten und weit und breit gab es keinen Sitzplatz mehr – so soll es immer sein. Da saßen und standen sie alle: Einheimische, Segler, Urlauber aus der ganzen Region, Kommunalpolitiker, Politikenttäuschte und feierten ein wunderschönes Fest mit Dixieland. In einer Ecke saß auch eine kleine Gruppe vom Verein. Wer genau hinsah konnte erkennen, wie ihre Augen glänzten. Dort haben sich Träume erfüllt. Weitere werden folgen.
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